»Gepflegt«

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»Gepflegt« sei die Wohnung, sagt die Anzeige. Gleichwohl seien sanitäre Einrichtungen, Tapten, Bodenbeläge und Fenster renovierungsbedürftig. Vielleicht bedeutet »gepflegt« ja auch, dass überhaupt noch ein Boden vorhanden ist, die Tapeten nicht alle runtergerissen wurden? 

Wer weiß. Wir sehen uns eine Wohnung in einem sehr verwirrend geschnittenen Haus an. Der Makler, der außer uns noch andere potenzielle Käufer zur Besichtigung geladen hat (im 5-Minuten-Abstand oder zur gleichen Zeit, man weiß es nicht) weiß nicht genau, wo die Wohnung eigentlich liegt. gepflegt1.jpg Mehr noch weiß er eigentlich nicht mal den Namen des Verkäufers. Der aber hört die Unterhaltung und ruft von unten. Und unten, das ist eine Art Souterrain, aber fast ohne die üblichen Nachteile (man kommt sich also nicht ganz so vor, als sei man tief unter der Erde, das liegt an der Hanglage, aber theoretisch ist man schon im Kellergeschoß).

Der Verkäufer ist auch selbst anwesend und preist die »gepflegte« Wohnung an wie Sauerbier. Die Wohnung ist ebenso eigenartig geschnitten wie das ganze Haus: es gibt mehrere Durchgangszimmer, so dass wir nach einer Weile ziemlich verwirrt sind, wo wir jetzt schon waren und wo nicht. Die Zimmer selbst sind eher klein, eher dunkel – und eher komisch. Im Wohnzimmer, das über eine (zugegeben ganz schöne) Terrasse verfügt, gibt es ein als »Blumenfenster« bezeichnetes Gebilde. Es gibt hoch oben in der Wand eine Art Kellerfenster, davor eine Art Schacht in der Wand und wieder davor ein kleines, erkerförmiges Fenster - das die vorherigen Mieter (die Wohnung war vermietet, soll nun aber verkauft werden) eben als Blumenfenster geschmückt hatten. Nun gut, denken wir. Eigenartig, aber irgendwie speziell.

Noch spezieller: die zwei (!) Toiletten in der Wohnung. Das liegt wohl daran, dass das Badezimmer sehr winzig ist. Da passte offenbar kein WC mehr rein. Warum man dann aber zwei Toiletten braucht, weiß auch kein Mensch. Wer BAUT denn sowas? Dazu kommt eine ebenfalls absolut winzige Küche, die noch dazu schlauchförmig ist. Man sieht noch ein wenig von der vorherigen Einrichtung, und das war nicht viel, denn viel passt dort einfach nicht hinein. Und den Rest des Raumes kann man, wenn man denn mal eine Küche hineingequetsch hat, auch nicht nutzen – keine Stellflächen mehr bis zur Tür, einfach nur Wände und kein Platz. Sehr sehr eigenartig. Aber es kommt noch besser. Direkt neben dieser Küche, allerdings außerhalb der Wohnung, befindet sich eine Art Lagerraum. Dieser ist alles andere als "gepflegt", hier bröckelt eine 70er Jahre Tapete von der Wand, es scheint mal an der Decke feucht geworden zu sein, und wirklich groß ist auch dieser Raum nicht. Aber, so der Eigentümer (der Makler selbst sagte übrigens die ganze Zeit über ausgesprochen wenig, denn er wusste auch nur sehr wenig über die ganze Sache), man könne hier die komplette Wand durchbrechen und so die Küche vergrößern. Äh, ja danke auch. 

Wir bekommen dann noch den Keller gezeigt, obwohl es gar keinen Kellerraum zu der Wohnung gibt – der wurde nämlich zugunsten des zusätzlichen Zimmers, also des Lagerraums, getauscht. Belässt man also diesen Raum, hat man einen Abstellraum, aber eine Mini-Küche. Vergrößert man die Küche, hat man KEINEN Abstellraum. Gar keinen. Aaaah ja...

Nach einer weiteren verwirrenden Führung – es geht noch tiefer und dann wieder hinaus und einmal ums Haus rum, keiner weiß mehr wo vorne und hinten ist - sind wir endlich draußen, verabschieden uns ganz schnell und verschwinden. Der Makler meldet sich nie mehr, obwohl wir vergessen abzusagen. Nach zwei oder drei Wochen bemerken wir das, sagen per E-Mail ab und bitten um weitere Angebote. Keine Reaktion. Die Wohnung wurde Monate später wieder als Mietwohnung angeboten.

Die Wohnung hätte 185.000 Euro gekostet, umfasste 4 Zimmer (ohne den Abstellraum) und etwa 82qm. Wir hätten noch reinstecken müssen:

  • Bodenbeläge in einigen Zimmern (z.B. PVC in der Küche)
  • streichen
  • Badezimmer und Toiletten komplett erneuern (Stand ca. 80er Jahre)
  • neue Küche
  • evtl. Wanddurchbruch

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2 Kommentare

nun ja - waeret ihr nicht so versessen auf S-ost, dann koenntet ihr hier bei uns im scharnhauser park fuer diese summe eine neugebaute eigentumswohnung, hell und schoen geschnitten mit ca. 100m2 kaufen ;-p allerdings muesst ihr das kind dann mit der U7 oder U8 in den kiga bringen - oder euch hier in die lotterie fuer die plaetze eintragen lassen... egal wie man's macht, irgendwas passt nie :(

Na ja, was heißt versessen, Mitte und Teile von Süd gehen ja auch ;) Aber es gibt halt nur eine gewisse Anzahl Waldorfkindergärten in Stuttgart. Und wenn man sich das nun mal vorgenommen hat.. ;)

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